Liebender Vater oder Richter

Andachten
Andachten Holger Reich

Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut!

Kolosser 3,12


Kindererziehung gehört zu den wichtigsten Tätigkeiten, die ein Mensch ausfüllen kann. Darum sollten wir nicht nur zum Muttertag den Müttern die Ehre geben. Liegt dort doch nicht nur unsere Zukunft verborgen, sondern unser Hier und Jetzt wird maßgeblich gestaltet. Eine Gesellschaft ohne Kinder ist langweilig und in absehbarer Zeit nur noch eine Randbemerkung der Geschichte.

Um wieviel schöner ist es doch, wenn Kinderlachen die Straßen erfüllt, wenn dann der Eiswagen kommt und alle Knirpse nach dem Taschengeld rufen oder “Sehnsucht” nach Opa und Oma empfingen 😉 Doch höre ich diese Geräusche immer seltener und wenn, dann auch weniger intensiv. Manche Zeitgenossen empfinden dies sogar noch als Lärmbelästigung – wie schade.

Gleichzeitig erlebe ich, wie engagierte Eltern ihre gesamten Ehrgeiz in ihr Kind stecken. Manche sprechen gar von Projektkind. Voller Stolz werden die Kinder von einem Event zum Nächsten gefahren und man erhofft sich natürlich auch Bestnoten. Ist es nicht ein Wunderkind? oder gar Hochbegabt? oder zumindest Außergewöhnlich?

Elternstolz ist völlig normal – und in gesundem Maß auch gut so. Mögen alle Eltern die besten Kinder haben (und alle Ehemänner die beste Frau von allen) und wir hätten weit weniger Probleme. Doch hüten wir uns vor einem gemeinen Feind: In einem Lied nennt ihn ein lieber Freund den “Richter in uns” und trifft damit den Nagel auf den Kopf.

Wir alle sind mit Wertmaßstäben aufgewachsen, die man nicht als schlecht bezeichnen kann. Schlecht aber ist es, wenn diese dann zum Maß aller Dinge erhoben werden und wir zum Schluß Menschen be- und verurteilen und diese dementsprechend behandeln.

Und genau da möchte ich meinen Finger in die Wunde legen. Wir Menschen, Eltern und auch Kollegen, sind nicht berufen zu verurteilen. Denn mit dem Maß, mit dem wir richten, werden wir auch gerichtet werden – und wer wird da noch bestehen können? darum dürfen wir unsere Kinder mit Gnade anschauen. Unsere Liebe darf nicht in Abhängigkeit mit Leistungen gebracht werden. Als Vater oder Mutter sind wir nicht dazu da, um unser Kind zu fordern, sondern zu fördern. Ermutigung statt Leistungsdruck, Liebe statt Dinge und nicht zuletzt ein gutes Vorbild sind der Garant dafür, daß das Leben unserer Zöglinge gelingen dürfte.

Dies Lektion habe ich selbst erst später verstanden, als es gut gewesen wäre – doch besser spät, als nie. Als Vater bin ich berufen, als Vater will und soll ich nicht richten.  Denn das Gericht haben wir doch bereits hinter uns gelassen und als Christenmensch erwarten wir nur noch den Preis, die Ehrenmedaille und den Lohn aus Gottes Gnade. Ein Jeder nach Seinem Maß und nicht dem Verdienst.

In der Sozialpädagogik gibt es den Begriff des “gütigen Patriarchen”. Leider ist der Begriff Patriarch heute oft mißverstanden und mit einem falschen Bild gefüllt. Doch in der Verbindung mit der Güte (die von Gott kommt), bekommt er wieder ein warmherziges Bild und den Stellenwert, der ihm zusteht.

Nicht die Richterrobe soll uns schmücken, sondern herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut im Umgang mit unserem eigenen Nachwuchs und dem Nächsten. Was für eine Botschaft, welche eine Herausforderung und Ziel.

Für uns Christen ist es ein hohes Ziel, doch wir sind ja nicht alleine. Auf unserer Seite haben wir den Vater, der jedem Vater Vorbild ist und uns hilft, abzulegen, was schädlich ist uns anzuziehen, was schmückt und nützt.

 

 


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