Herr, schenke mir Geduld

Andachten
Andachten Holger Reich

Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt.

Römer 5,3


Man sollte sich genau überlegen, was man spricht. Manch einer hat sich um Kopf und Kragen geredet. Steht man dann vor Gericht – oder gar vor dem lebendigen Gott – dann ist das gesprochene Wort doppelt bedeutsam. Haben wir doch alle schon in jungen Jahren uns selbst gewundert und im Nachgang über unsere eigenen Worte gestaunt.

Und so ist auch die Bitte um mehr Geduld ein zweischneidiges Schwert. Geduld ist eine Eigenschaft, die in der heutigen Zeit wenig Wert zu haben scheint. Alles muß schnell-schnell gehen. Der Kaffee ist in Sekunden fertig, ein Knopfdruck und fertig dampft der Kaffee in der Tasse. Wer nimmt sich noch die Zeit, das Wasser zu erhitzen und den Kaffee frisch aufzubrühen und dann in die Kanne tröpfeln zu lassen. Die Lösung lautet doch Instant-Kaffee, Kapselmaschine oder Vollautomat.

Das läßt sich auf ganz viele Lebensbereiche übertragen. Alles muß husch-husch und schnell gehen. Doch tatsächlich spüren wir doch, wie uns dabei etwas an Lebensqualität verloren geht. Sicherlich ist der Kaffee schneller verfügbar – doch ist der Genuß dafür wirklich schneller da? Und was hat das bißchen Gewinn an Tempo für eine Konsequenz? Und dabei denke ich nicht nur an die Folgen für die Umwelt (unnötiger Müll, Transportkosten, Energiekosten), sondern auch für uns selbst.

Was tun wir mit der gewonnenen Zeit?

Und so kommen wir schon mal in die Versuchung, um die berühmte Geduld (Ausharren) zu beten. “Herr, schenke mir Geduld – aber bitte sofort” wurde sicherlich schon oft gebetet. Doch ist Geduld eine Pflanze, die nur langsam wächst und sie erfordert ein ganz spezielles Wachtumssubstrat. Paulus benennt es hier mit “Bedrängnis” (oder auch Verfolgungen, Nöte). Und wer sucht diese schon freiwillig? Darum bedenke, wenn du Geduld forderst, wirst du Nöte bekommen. Und so ist es mit vielen Dingen. Wir beten um das Eine und erhalten doch etwas vollkommen Anderes.

Ein Knecht bat seinen Herrn um Reichtum und erhielt einen Beutel Weizenkörner. Nachdem er diesen aber richtig eingesetzt hatte, wurde er zum reichsten Kornbauern im Lande.

Du forderst etwas von Gott? Gut so, das ehrt dich. Denn Gott ist der Vater, der leidenschaftlich gerne gibt. Großzügigkeit ist Teil Seines Wesens und Er kann nicht anders, als Tag für Tag zu segnen. Dies tut Er über Seine Kinder zuerst und sogar über die, die ihn nicht kennen oder kennen lernen wollen.

Darum bedenke, was du forderst und sei bereit, das Empfangene dankbar anzunehmen und auszusäen, damit es die besondere Frucht bringt zu seiner Zeit.


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Römer 5